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Mittwoch, 22. Februar 2012

Kapitel 1: Die niederländische Vorgeschichte

Die Wurzeln des heutigen Königsleitner Almdorfvereins liegen, was die Initiative dazu anbelangt, nicht, wie man erwarten würde in Königsleiten-Österreich, auch nicht wegen der vielen Münchener Hausbesitzer in Bayem-Deutschland, sondern in den Niederlanden. Diesem unerwarteten Anfang und ausländischer Geburt lagen einfache Probleme zugrunde. Seit Anfang der 70-ger Jahre (des vorigen Jahrhunderts) haben sich die ersten Niederländer Appartements, Hütten usw. in Königsleiten erworben. Mit den Einheimischen und bereits anwesenden Deutschen fühlten sie sich von Anfang an vertraut, das Problem aber der geografischen Distanz (über 1000 km) erwies sich als zäher, als vorher gedacht: Reparaturen, Wohnungseinrichtung, Vermietung, gesetzliche Pflichten und Rechte usw. schmiedeten aus den vielen Individualisten alsbald eine gemeinschaftliche Einheit. Die Initiative hierzu ergriff Herr Moekotte, niederländischer Makler und ebenfalls Appartementsbesitzer der ersten Stunde in Königsleiten. Sein Schreiben an alle niederländischen Wohnungseigentümer zielte ins Schwarze - die Geburt eines Interessenvereins am 9. Mai 1979 - sein erster Name Almcomite - war die logische Folge. Was anfangs ebenfalls logisch war, war die Bildung eines Vereins mit satzungsgemässem Sitz in den Niederlanden und die Wahl eines niederländischen Vorstands. Die Herren Kuchler (Merkurbau) und Obermoser Senior waren die ersten Gäste, die in Utrecht in den Niederlanden vom Verein ais Informanten begrüsst wurden. Herr Kuchler sprach sogar mit Moekotte über die Schaffung eines Dorfplatzes, Hallenbades und Tennisplatzes: Wo sind diese Träume geblieben? Der Verein erwies sich ais sehr nützlich. Zusammen kann man mehr als allein, aber die Grenzen dieses niederländischen Vereinspotentials wurden in Königsleiten schon bald sichtbar: Allzu viel niederländischer Einfluss erwies sich - mit Recht oder zu Unrecht - in Königsleiten und nicht zu vergessen in Wald, alsbald als unerwünscht. Der Verein wurde geduldet, aber stiess auch auf Argwohn, Vereinsinteressen wurden oft als Einmischung gesehen und der Verein als solcher mit damals etwa 50 niederländischen Wohnungseigentümem und einigen ersten deutschen Mitgliedem (bei 600 Wohnungen und Apartments in ganz Königsleiten) war zahlenmässig und vor allem wirtschaftlich zu unbedeutend, um als wirtschaftlicher Faktor im Almdorf Einfluss nehmen zu können. Einige Niederländer erkannten dieses Problem und drängten unter der Leitung Adrie Keijs in den eigenen Reihen auf Ausbau der Mitgliederschaft aus anderen Nationalitäten, wobei aus interkultureller Sicht vor allem an die Einheimischen und aus wirtschaftlicher Sicht besonders an die Deutschen gedacht wurde. 

Fussnote: Erster Obmann: Dr. Jur. P. Gooren 09-05-1979 bis 28-12-1995.

Kapitel 2: Ausbau des Vereins (ab 1988)

Überzeugungskraft für eine Internationalisierung des Almcomites, ab 1988 Almdorvereins, war gefragt: Seien wir ehrlich, nicht alle Niederländer waren gleich stark begeistert, die Einheimischen lobten die Initiative, aber man spürte eine versteckte Abneigung - was kommt da auf uns zu!? - und die Deutschen fegten sich anfangs, wie es einmal wörtlich hiess, zum Grossteil lieber 'den eigenen Schweiss von der Stirn'. Vordenker und Initiatoren waren also gefragt, sie waren jedoch dünn gesät. Wenn man sich Mühe gibt, findet man meistens eine Lösung. So erging es auch dem suchenden niederländischen Vorstand. Karl Ambrosius, sowohl langjähriger Lufthansamanager in Asien, als auch Königsleitner ging in die Rente. Sein Internationalisierungsweitblick entsprach dem der niederländischen Vordenker. Man einigte sich auf eine gemeinsame Werbungstaktik unter allen Königsleitnern und machte sich an die Arbeit. Das Resultat war verblüffend: Bereits nach einigen gemeinsamen Jahren stieg die Zahl der Mitglieder auf über 100, es wurde ein internationaler Vorstand mit Österreichern, Deutschen und Niederländem gebildet, die bereits vorhandene Satzung brauchte nur wenig angepasst und erweitert zu werden und eine erste kurz- und längerfristige Planung wurde vorgelegt. Letztere hatte aber auch negative Folgen: Unter dem Druck einer Mischung von Argwohn, Skepsis und Interessenschutz sahen sich die ersten Vorstandspioniere aus den Reihen der Einheimischen, nicht zuletzt auch wegen zum Teil untaktischen Benehmens einiger Vorstandsmitglieder, gezwungen den frischgebackenen Vorstand wieder zu verlassen. Um unnötigen Krach zu vermeiden, handelte der Vorstand von diesem Augenblick an sehr viel vorsichtiger. Man versuchte, eine Basis zu schaffen, auf die man den Verein aufbauen und mit der man ihm Rückendeckung verleihen könnte. Zu diesem Zweck wurde eine grossangelegte Umfrage unter möglichst vielen Königsleitnern durchgeführt, deren Ergebnis unter dem Titel 'Quo vadis, Königsleiten' allen Beteiligten und Interessenten präsentiert wurde. Obwohl zum Teil utopisch, wurde hiermit doch eine Zukunft angesprochen, die zwar noch weit hinterm Horizont versteckt lag, aber für viele damit auch Widerstand auf den Plan rief. 

Fussnote: Zweiter Obmann: K. Ambrosius, von 28-12-1995 bis 28-12-1998.

Kapitel 3: Der Almdorfverein fasst Fuss

Im Jahre 1988 verlieh Notar Hutter aus Mittersill dem neuen Almdorfverein seinen gesetzlichen internationalen Status. Der ursprängliche niederländische Verein (Almcomité) funktionierte als regionaler Zweig (Liga Nord) unter den Fittichen des neuen Vereins weiter. Der Verein meldete sich von diesem Augenblick an immer nachdrücklicher zu Wort. Der Vorstand antwortete nicht nur auf Fragen, die ihm vorgelegt wurden, sondem mischte sich auch ungebeten in allerhand Verwaltungsprobleme der Gemeinde Wald. Auch der Industrie (lies: Merkurbau) mit ihren vielen anfänglichen Versprechen (Dorf- undTennisplatz, Hallenbad usw.) zur Stimulierung der Anfangsverkäufe gefielen diese neuen Almdorftöne nicht. Unter dem quasi Druck der Einheimischen ('Wir beugen uns dem Willen der Ortsgemeinschaft...') weigerte sich Merkurbau 1990, die Adressen aller Wohnungseigentümer für eine Aussendung annex Werbung des Almdorfvereins bekanntzugeben. Solche Massnahmen, die sich natürlich wie ein Lauffeuer durch die Gemeinschaft verbreiteten, erzielten genau den nicht erwünschten Effekt: Der Verein wuchs von 47 Mitgliedern in einigen Jahren überproportional auf 124 in '96 und passierte 1997 die 200-Grenze. Auf der Dauer aber gefielen die Streitigkeiten mit der Gemeinde vielen Einheimischen und Almdorfvereinsmitgliedern nicht. Man suchte nach Wegen, sie zu schlichten, indem man für alle Parteien gemeinsame Interessen betonte. Neben wirtschaftlichen Interessen wurden Themen wie Heimatinteresse, Dorfverschönerung usw. angesprochen. Als darüberhinaus der deutsche Obmann zu erkennen gab, dass ihm ein Posten im Vorstand lieber wär' als der leidige Vorsitz, wurde ein langjähriger, fast-Einheimischer als Vorsitzender gewählt. Günther Gretzmacher, Königsleitner seit 1973 würde den Verein gewiss in ruhigeres politisches Fahrwasser lotsen und das Vertrauen zwischen Wald und Königsleiten wiederherstellen. Wenigstens, dass hoffte man... Ende 2003, am Vorabend des 25-jährigen Vereinsjubliläums (1979 - 2004) zurückblickend, wissen wir alle, wie es gelaufen ist. Natürlich wurden Fortschritte verbucht, sie mussten aber alle erkämpft werden. Geschenkt wurde dem Verein nichts: nicht auf der Basis einer wirtschaftlichen Verfahrensweise, auch nicht auf der Basis einer interkulturellen Freundschaftsverbindung. Die Walder Gemeinderatsmitglieder haben nach wie vor in der übergrossen Mehrheit wenig oder kein Interesse für Königsleiten, wo nur einige wenige Wähler wohnen. Quo vadis, Königsleiten ab 2004?

Fussnote: Dritter Vorsitzender Günter Gretzmacher, von 28-12-1998 bis 28-12-2003