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Der Almdorfverein Königsleiten

- die Entstehungsgeschichte und seine Entwicklung -

Kapitel 1:  Die niederländische Vorgeschichte

Erster Obmann: Dr. jur. Paul Gooren  (09.05.1979 bis 28.12.1995)

 

Die Wurzeln des heutigen Königsleitner Almdorfvereins liegen nicht, wie man erwarten würde, in Königsleiten, auch nicht wegen der vielen Münchener Hausbesitzer in Deutschland, sondern in den Niederlanden. Diesem unerwarteten Anfang lagen praktische Überlegungen zugrunde.

Ab Anfang der 1970-ger Jahre hatten die ersten Niederländer Apartments oder Hütten in Königsleiten erworben. Mit den Einheimischen und bereits anwesenden Deutschen fühlten sie sich von Anfang an vertraut. Als zähes Problem erwies sich allerdings die räumliche Entfernung von über 1000 Kilometern zu den Niederlanden. Reparaturen, Wohnungseinrichtung, Vermietung, Einhalten von Pflichten und Rechten schmiedeten daher aus den vielen Individualisten alsbald eine Interessensgemeinschaft.

Bernardus Moekotte, niederländischer Makler und ebenfalls Anrainer der ersten Stunde in Königsleiten, ergriff die Initiative.

Sein Schreiben an alle niederländischen  Wohnungseigentümer zielte ins Schwarze: Am 9. Mai 1979 wurde ein Interessensverein gegründet. Sein erster Name war Almcomité. Konsequenterweise hatte der Verein seinen satzungsgemäßen Sitz in den Niederlanden und einem niederländischen Vorstand.

Die HerrenKuchler von der Merkurbau-GmbH und Manfred Obermoser sen.waren die ersten Gäste, die in Utrecht in den Niederlanden vom Verein als Kontaktpersonen aus Königsleiten empfangen wurden. Es wurde sogar mit über die Schaffung eines Dorfplatzes, eines Hallenbads und eines Tennisplatzes gesprochen.

Obwohl sich der Verein als sehr nützlich erwies, traten erste Probleme auf: Allzu viel niederländischer Einfluss wurde - zu Recht oder zu Unrecht - in Königsleiten und in der Gemeinde Wald alsbald als unerwünscht empfunden. Der Verein wurde geduldet, aber stieß auch auf Argwohn. Vereinsinteressen wurden oft als Einmischung gesehen.

Jedoch war der Verein zahlenmäßig zu unbedeutend, um als wirtschaftlicher Faktor im Almdorf Einfluss nehmen zu können. Damals bestand er aus etwa 50 niederländischen Wohnungseigentümern und einigen ersten deutschen Mitgliedern, bei 600 Wohnungen und Apartments in ganz Königsleiten.

Einige Niederländer erkannten dieses Problem und drängten unter der Leitung von Dr. Adrie Keij in den eigenen Reihen auf Öffnung für Mitglieder aus anderen Nationalitäten. Aus interkultureller und aus wirtschaftlicher Sicht wurde sowohl an Einheimische als auch an Deutsche gedacht.

Bereits am 06.04.1988 verlieh Notar Dr. Kurt Hutter aus Mittersill dem neuen Almdorfverein seinen gesetzlichen internationalen Status. Der ursprüngliche niederländische Verein (Almcomité) lief als regionaler Zweig unter den Fittichen des neuen Vereins weiter.

Kapitel 2: Ausbau des Vereins

Zweiter Obmann: Dr. Karl-Wilhelm. Ambrosius (28.12.1995 bis 28.12.1998)

 

Es wurde Überzeugungskraft erforderlich, mit der für die zunehmende Internationalisierung des jungen Almdorfvereins geworben werden konnte.

Seien wir ehrlich, nicht alle Niederländer waren gleichermaßen begeistert. Die Einheimischen lobten die Initiative, aber man spürte eine versteckte Abneigung - was kommt da auf uns zu!?  - und die Deutschen wischten sich anfangs, wie es einmal wörtlich hieß, zum Großteil lieber 'den eigenen Schweiß von der Stirn'.

Vordenker und Initiatoren waren also gefragt, sie waren jedoch dünn gesät. Aber: Wer sucht, der findet. So erging es auch dem niederländischen Vorstand.

Dr. Karl-Wilhelm Ambrosius, sowohl langjähriger Lufthansamanager in Europa und Asien, als auch Königsleitner, ging in die Rente. Seine Fähigkeit, international zu denken und sein Weitblick entsprachen den Intentionen der niederländischen Vordenker. Man einigte sich auf eine gemeinsame Strategie unter allen Königsleitnern. Dann ging es an die Arbeit.

Es wurde ein internationaler Vorstand  mit Niederländern, Österreichern und Deutschen gebildet. Die bereits vorhandene Satzung brauchte nur wenig angepasst und erweitert zu werden.

Eine erste kurz- und langfristige Planung wurde vorgelegt. Dieses hatte aber auch negative Folgen:  Infolge einer Mischung aus Argwohn, Skepsis und Interessenschutz sahen sich die ersten einheimischen Vorstandspioniere gezwungen, den frischgebackenen Vorstand wieder zu verlassen.

Um unnötige Verstimmungen zu vermeiden, handelte der Vorstand von diesem Augenblick an sehr viel vorsichtiger. Ziel war, eine Basis zu schaffen, auf der der Verein aufbauen und mit der man ihm Rückendeckung verleihen könnte. Zu diesem Zweck wurde eine großangelegte Umfrage unter möglichst vielen Königsleitnern durchgeführt, deren Ergebnis unter dem Titel 'Quo Vadis, Königsleiten' allen Beteiligten und Interessenten präsentiert wurde.

Es gab Visionen für eine Zukunft, die noch in weiterer Ferne lag, aber bei vielen Mitgliedern auch Widerstand auslösten.

Kapitel 3: Der Almdorfverein fasst Fuß

Dritter Obmann: Günter Gretzmacher (28.12.1998 bis 28.12.2003)

 

Seit seiner Gründung 1988 meldete sich der Almdorfverein immer nachdrücklicher zu Wort. Der Vorstand antwortete nicht nur auf Fragen, die ihm vorgelegt wurden, sondern hinterfragte aktiv Themen der Gemeindeverwaltung Wald.

Auch der Bauindustrie (Merkurbau GmbH) mit ihren vielen anfänglichen, nicht eingelösten Versprechen gefielen diese neuen Almdorftöne nicht, und sie handelte gegen die Interessen der Anrainer.

Der Effekt war, dass der Verein nicht etwa einging, sondern von ursprünglich 47 Mitgliedern auf 124 in 1996 wuchs. Im Jahr 1997 stieg die Anzahl der Mitglieder über 200.

Auf Dauer aber gefielen die Streitigkeiten mit der Gemeinde vielen Einheimischen und Almdorfvereinsmitgliedern nicht. Man suchte nach Wegen, sie zu schlichten, indem man für alle Parteien gemeinsame Interessen betonte. Neben wirtschaftlichen Interessen wurden Themen wie Heimatanliegen, Dorfverschönerung usw. angesprochen.

Als der deutsche Obmann zu erkennen gab, dass ihm ein Posten im Vorstand lieber wäre als der zeitaufwändige Vorsitz, wurde ein langjähriger, fast einheimischer Anrainer als Vorsitzender gewählt: Günther Gretzmacher, Königsleitner seit 1973. Er würde den Verein gewiss in ruhigeres politisches Fahrwasser lotsen und das Vertrauen zwischen Wald und Königsleiten wiederherstellen. Es waren keine leichten Zeiten!

Natürlich wurden Fortschritte verbucht, sie mussten aber alle erkämpft werden. Geschenkt wurde dem Verein nichts, weder auf der Basis einer wirtschaftlichen Strategie, noch auf der Basis interkultureller Freundschaften. Die Walder Gemeinderatsmitglieder hatten nach wie vor wenig oder kein Interesse an Königsleiten, wo nur einige wenige Wähler wohnen.

Kapitel 4: Der Almdorfverein strukturiert sich

Vierter Obmann: Eelco Keij (28.12.2003 bis 28.02.2006)

Fünfte Obfrau: Renate Damm (01.03.2006 bis 18.02.2007)

Sechster Obmann Klaus Koch (19.02.2007 bis 20.03.2008)

 

Wie ging es nun weiter: Am 28.12.2003 wurde der junge Niederländer EelcoKeij Obmann. Jetzt wurde E-Mail-Verkehr für die Kontakte innerhalb des Almdorfvereins und nach extern eingeführt. Immer mehr Mitglieder gaben eine E-Mail-Anschrift an. Die Vereinszeitschrift „Königsleiten Aktuell”, genannt Klakt, wird seitdem größtenteils per E-Mail  an die Mitglieder gesandt, wodurch die Versandkosten deutlich gesenkt werden konnten.

Da nicht alle Mitglieder des Almdorfvereins über Internet verfügen, werden weiterhin Papierversionen per Post an diejenigen geschickt, die sonst nicht zu erreichen wären.

Aus beruflichen Gründen zog Eelco Keij in die USA. In der Jahresversammlung vom 28.02.2006 trat er deshalb zurück.

Ihm folgte Renate Damm als Obfrau. Sie wollte den Vorsitz allerdings nur für die Dauer eines Jahres wahrnehmen. Dennoch fanden während der Zeit ihres Vorsitzes entscheidende Veränderungen statt: Die neuen Bergbahnen wurden geplant. Es entstanden intensive Diskussionen um dieses Thema, die sie im Interesse der Einheimischen und Vereinsmitglieder vermittelnd und mit ihrer juristischen Kompetenz begleitete.

Am 19.02.2007 wurde Klaus Koch Obmann. Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeiten in den Niederlanden gab es jedoch Terminüberschneidungen mit wichtigen Aufgaben für den Almdorfverein. Er legte sein Amt vor der Generalversammlung im März 2008 nieder.

Kapitel 5: Der Verein gestaltet die Zukunft

Siebter Obmann Dr. Jürgen Fricke (21.03.2008 bis 27.12.2012)

 

Am 21.03.2008 übernahm Herr Dr. Jürgen Fricke den Vorstandsvorsitz. Dank seiner vielen Kontakte und vor allem dank seiner diplomatischen Vorgehensweise kam ein engerer Dialog mit der Gemeinde Wald zustande, ebenso mit den Bundesforsten sowie mit den Königsleiten Bergbahnen. Wesentliche Themen während seiner Wahlperioden waren neben Diskussionen um den Bau und der Inbetriebnahme der neuen Dorfbahnen das REK –RaumEntwicklungsKonzept.

Eine Website wurde entwickelt, um den Mitgliedern des Almdorfvereins und weiteren Interessierten schneller Informationen zukommen zu lassen.

Anlässlich eines Bürgerforums im Januar 2012 diskutierten der Almdorfverein, Einheimische und Gäste über die Zukunft Königsleitens. Ein Fragebogen wurde entwickelt, um Kritik und Anregungen äußern zu können.

Das zwischenmenschliche Klima im Dorf wurde gefördert. Mit Unterstützung des Almdorfvereins fanden Lawinenkurse, Wanderungen (mit Toni Hölzl; Manfred Obermoser sen.; Hannes Schnell ), Fotoausstellungen, Dia-Abende über Kultur, Flora und Fauna im Alpenbereich (Manfred Obermoser sen.) statt.

Der von Christian Eder  ins Leben gerufene Jodelwanderweg wurde vom Almdorfverein finanziell unterstützt; Jodel-Wanderungen wurden den Almdorfvereinsmitgliedern angeboten.

Im Dorf wurden für die von den Hotelbetrieben eingerichteten Kinderspielplätze Sitzbänke gespendet, weiterhin auch vor dem Sparmarkt, unterstützt u.a. durch die Raiffeisenbank. 

Alle diese Aktivitäten  belegen das Zusammenwachsen von Einheimischen und Anrainern im Almdorf. Dieses und der zunehmend intensive Kontakt mit der Gemeinde Wald sind richtungsweisend für die Zukunft.

 

Achte Obfrau Dr. Erika Majewski seit 28.12.2012